Vom 20. Mai bis zum 14. Juli 2017, fast zwei Monate, reisen wir durch den Westen der USA. Kalifornien, Arizona, Utah, New Texas, Wyoming und Montana sind die Bundesstaaten, die wir besuchen.

Auch wenn wir es ja wussten, sind wir doch erschrocken über die Preise in den USA. Alles ist viel teurer, als in Mexiko. Ab jetzt schlafen wir wieder im „Milliarden Sternehotel“. Nicht nur wegen der Hotelpreise, sondern auch, weil wir das zelten mögen. Wir kochen selber, und trotzdem kostet es mehr, als in mexikanischen Restaurants. Es gibt hier keine „Tante Emma-Läden“, oder Bauernmärkte, so wie man sie in Mexiko überall findet. Hier gibt es nur riesige Supermärkte und ab und zu kleinere Stores, die überwiegend „Dosenfutter“ in ihrem Sortiment haben.

Das ist erst mal gewöhnungsbedürftig und heisst für uns, rechtzeitig Frischkost einkaufen, wenn wir durch einen Ort fahren, wo es einen der grossen Supermärkte gibt, damit wir nach dem Zelt aufbauen nicht noch mal los müssen…denn es kann sein, dass der nächste Laden viele Meilen vom Campingplatz entfernt ist.

Eines unserer Ziele ist auch die legendäre Route 66, die wir bis Flagstaff fahren. Der erste Teil erscheint uns wie ein „Highway to hell“, denn es herrscht eine höllische Hitze, die wir so nicht erwartet haben. Unser Erstaunen über die unendliche Weite dieses Landes ist gross. Fast beängstigend, wenn man in dieser brüllenden Hitze weite Strecken zurück legen muss, bis man den nächsten Ort erreicht. In der Ferne Berge, die aber gar nicht näher zu kommen scheinen.

 Der Schweiss kühlt nicht, denn er ist in nullkommanix getrocknet. Lange Strecken kein Baum, kein Strauch, geschweige denn ein Laden, um Wasser zu kaufen. In Mexiko findet man selbst in den abgelegensten Winkeln noch einen Laden, wo Essen und Trinken verkauft wird und in dieser Hinsicht sind wir verwöhnt. So viel Wüste haben wir in den USA nicht erwartet, wo uns zusätzlich zu den hohen Temperaturen oft ein heftiger heisser Wind das Fahren zur Anstrengung werden lässt. All das verdirbt uns aber nicht die Freude am Fahren und wir geniessen diese neuen Eindrücke. Wichtig ist auch, sich über das Wetter vorab zu informieren, denn Gewitter, Starkregen, Sturm oder sogar Tornados etc. können in dieser endlosen Landschaft zur Gefahr werden.

Immer genügend Trinkwasser dabei haben, ist das erste, was wir in den USA lernen. Das gilt auch für Wanderungen.

Die grossen Städte vermeiden wir und wollen überwiegend durch die Nationalparks fahren, die aber Eintritt verlangen. Es gibt zahlreiche Parks und manche sind so gross, wie kleinere Bundesländer in Deutschland. Wir besorgen uns die Jahreskarte (80 Dollar für 2 Personen incl. Mororräder) für alle Nationalparks der USA. Ausserdem planen wir die Routen so, dass wir selten auf den grossen Interstate Strassen fahren müssen, sondern überwiegend Nebenstrecken benutzen, die durch schöne Landschaften führen und Abwechslung bieten.

In Celestun, in der mexikanischen Karibik, haben wir Kathey und Stanley aus Pie Town in New Mexiko kennen gelernt. Sie betreiben dort ein sehr erfolgreiches Kuchenrestaurant. Das Pie-O-Neer.

Eine Mail von den beiden erreicht uns, als wir schon in Arizona sind…sie würden sich über einen Besuch von uns freuen. Spontan beschliessen wir, wieder ein Stück zurück zu fahren…so um die 800 km. Die letzte Strecke bis Pie Town, leiten uns die Navis über ca. 40 Meilen Schotterstrasse.

Die Belohnung sind 7 herrlich entspannende Tage in Pie Town und Mogollon zusammen mit den beiden. Wir spüren Gastfreundlichkeit, die man selten findet. Wir haben viel Spass und gute, interessante Gespräche mit unseren neuen Freunden und auch anderen Menschen, die dort leben. Sie alle zusammen machen uns diese Tage zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Der Abschied fällt uns schwer.

Die Schulkinder in den USA haben im Sommer 3 Monate Ferien und die beginnen im Juni. Die US Amerikaner sind ein reisefreudiges Volk und zu den unzähligen Rentnern, die in ihren gigantischen Wohnmobilen ständig unterwegs sind, gesellen sich nun auch die Familien, die in Urlaub fahren. Dazu kommen noch die internationalen Touristen. Die Nationalparks sind ein attraktives Ziel und für alle wie ein Magnet.

In der Ferienzeit sind Hotels und Campingplätze, die sich in oder in der Nähe von Nationalparks befinden, oft schon lange im Voraus ausgebucht. Wenn dann noch Wochenende ist und Feiertage dazu kommen, ist der Trubel gross. Es gibt aber auch immer wieder Campingplätze, die man nicht reservieren kann. Das heisst, dass man früh dort sein muss, um noch einen Platz zu ergattern. Da wir auf unserer Reise nicht alles im Voraus planen (möchten), müssen wir an Orten, wo viele Touristen sind, früh mit der Suche nach einem Übernachtungsplatz beginnen. So gegen 14 Uhr wird es dann allerhöchste Eisenbahn.

Auf den schlichten Campingplätzen ohne Strom, ohne Dusche, die oft nur Plumpsklo und (nicht immer) Trinkwasser bieten, findet man am ehesten noch Platz. Dafür liegen diese meistens weitab inmitten wunderschöner, fast unberührter Natur. Kein Strassenlärm stört und sie kosten nur ein paar Dollar. Meistens gibt es einen Host. Eine Person, die auf dem Platz lebt, und für alles sorgt, was nötig ist. Die Übernachtungsgebühr wird in einen Umschlag gesteckt und in eine Art Briefkasten deponiert. Das funktioniert.

Erstaunlich ist die Sauberkeit. Es liegt auch ohne anwesende Aufsichtsperson kein Müll in der Gegend herum. Die Besucher halten sich an die Regeln. Auf manchen Plätzen gibt es nicht mal Müllcontainer und jeder muss seinen Abfall wieder mitnehmen. Ohne Belehrung wird einem deutlich, wie viel Müll man in kürzester Zeit produziert.

 

Ab Wyoming werden auch Bären ein Thema beim zelten. In Gebieten, wo viele Bären leben, müssen wir Nahrungsmittel und andere Dinge, die Bären lecker finden, z.B. Zahnpasta, in bärensicheren Containern unterbringen, die auf Zeltplätzen montiert sind. Wenn die schlauen Bären einmal Erfolg haben und auf einem Campingplatz Futter finden, kommen sie immer wieder zurück. Dann muss der Platz geschlossen werden, oder der Bär, im besten Fall, gefangen und weit weg transportiert werden. Oft werden diese Bären aber getötet, damit sie keine Gefahr für den Menschen werden. Das eigene Leben und das der Bären liegt also am Verhalten der Menschen.

 

 

Für uns ist das erst mal ungewohnt, dass es in unserer Umgebung Wildtiere gibt, die gefährlich werden könnten. Im Yellowstone Park zählen auch Büffel und Elche dazu. Im Dunkeln und auf einsamen Plätzen, und dann im Zelt, kann einem schon mal mulmig werden. Mit der Zeit gewöhnen wir uns daran, bleiben aber wachsam…und nachts Wölfe heulen hören, so wie im Yellowstone Park, das ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Abgesehen von der Gefahr, ist es auch ein gutes Gefühl, zu wissen, dass es auf der Welt noch Plätze gibt, wo gefährliche Tiere nicht einfach beseitigt werden, sondern ihren Lebensraum haben. Wo eher der Mensch Besucher ist und mit Respekt der Natur begegnet. Natürlich ist die Natur nirgendwo mehr intakt, aber hier bekommt man an manchen Orten eine Vorstellung davon, wie es früher mal war…

In den USA bleibt uns ein Zusammentreffen mit Bären erspart, dafür erleben wir viele andere Tiere in ihrem Lebensraum. Diverse Eich- oder Erdhörnchen, Präriehunde, Koyoten, verschiedene Reh-und Hirscharten, viele seltsame Vögel, grosse laut krächzende Kolkraben, Büffel, Elche, Schlangen und Stinktiere. Letztere liegen leider auch öfter mal überfahren auf der Strasse. Man erkennt sie an ihren Fellfarben, schwarz-weiss, aber besonders an dem penetranten Geruch, der einen streift, wenn man an diesen Unfallopfern vorbei fährt.

Für einige Attraktionen muss man Eintritt bezahlen. Davon haben wir meistens Abstand genommen, um unser Reisebudget zu schonen, auch wenn vieles sicher sehenswert ist. Einzig das beeindruckende Gelände in New Mexiko mit den riesigen Radiotheleskopen, „Very Large Array“, wo der Film Contact mit Jody Foster gedreht wurde…

 

…und das lehrreiche Buffalo Bill Museum in Cody, haben wir besichtig. Dort wird auf eindrucksvolle Weise Wissen über alle Bereiche der Natur vermittelt und die Geschichte der Indianer und des“wilden Westens“ erklärt und dargestellt.

Die zum Teil unberührte Natur, die Tier- und Pflanzenwelt und die abwechslungsreichen Landschaften mit verschiedenfarbigen gigantischen Felsformationen in den USA, begeistern uns am meisten. Was hier an Natur und Erdgeschichte zu sehen und zu erleben ist, übersteigt all unsere Erwartungen. Die US Amerikaner tragen Sorge für die Natur in den Nationalparks und es gelten strenge Regeln. Oft müssen wir uns gegenseitig beim Fahren daran erinnern, dass wir auf die Strasse achten müssen und nicht zu viel in der Landschaft herumschauen dürfen.

Dann ist wieder eine Rast angesagt, wo wir für eine Weile all das geniessen und auf uns wirken lassen.

Oft werden wir von Leuten angesprochen und nach dem Woher und Wohin gefragt. Die Menschen sind interessiert und wir begegnen Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Kontakte werden geknüpft. Unsere anfänglichen Vorurteile haben sich in Luft aufgelöst. Und wieder mal erkennen wir, wie uns die Medien beeinflussen in der Sicht auf andere Länder und ihre Bewohner. Selber hin fahren und sich ein Bild machen, verändert die Sichtweise…das haben wir auf der bisherigen Reise immer wieder deutlich gemerkt. Auch deutsche Touristen und Langzeitreisende lernen wir kennen. Mit ihnen tauschen wir Erlebnisse aus und bekommen und geben Tips.

Langeweile kommt nie auf. Vielmehr kehrt eine Art Frieden in die Seele ein, besonders an Orten, wo nur Natur um einen herum ist und eine Stille, die es nur noch selten gibt. Wo man nichts hört, ausser sich selber und wo man sich in manchen Momenten eins mit der Natur fühlt.

Am 14. Juli 2017 verlassen wir die USA und sind in Kanada angekommen.


 

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8 thoughts on “Fast zwei Monate USA

  1. Hallo Ihr Beiden, wie gehts?

    ja, der Zufall wollte es so, ich habe in meinem Pilgerrucksack etwas gesucht, da fand ich den Aufkleber wheel-of-Time.com. Ich befand mich auf dem Pilgerweg von Oviedo nach Santiago de Compostela. Es war der 30.09.2016 als wir uns in Grandas Salinas (Stausee), als wir uns in einer kleinen Pension (der Halsabschneider) trafen. Ihr habt mir von Eurem Vorhaben erzählt. Habt Ihr ja schon ganz viel davon umgesetzt, Abendteuer pur.

    Ich werde im Oktober wieder auf den Pilgerweg gehen. Dieses Mal von Florenz über Assisi nach Rom. Ihr habt einen schönen Spruch von „Franz von Assisi“ in Eurem Aufmacher “ Beginne mit dem Notwendigen, dann mit dem Möglichen und plötzlich wirst Du das Unmögliche tun.
    -Franz von Assisi- Auch mein Prinzip.

    Alles Gute für Euch „Hals und Beinbruch“, bleibt gesund und allzeit „Gute Fahrt“

    Lb Grüße Ferry

    1. Hallo Ferry, das ist aber eine super Überraschung. Vielen Dank für deine Worte. Ja, wir erinnern uns an dich 🙂 Wie schnell die Zeit doch vergeht. Unsere Reise geht langsam dem Ende zu und natürlich ist da auch Wehmut dabei.

      Dir wünschen wir auch alles Gute und friedliches Pilgern ab Oktober und viele schöne Begegnungen.

      Liebe Grüsse von George & Annette

  2. Hallo ihr beiden
    Sind ja wieder viele beeindruckende Bilder zu bestaunen.Manchmal kommt es einem ganz unwirklich vor.Ihr habt schon
    eine erstaunliche Reise unternommen.Wünsche euch alles Liebe und Gute.Bis dann.

    1. Hallo Andrea, es freut uns sehr , dass du noch „mit uns reist“ 🙂 Jetzt haben wir nur noch wenige Wochen, bis zur Rückreise. Die Zeit ist verflogen….
      Auch für dich alles Liebe und Gute
      Annette & George

  3. Hallo Anna, hallo George,

    das sind superschöne Berichte und Bilder, von denen mich insbesondere die Naturbilder total begeistern. Wie toll, dass ihr all das mit uns teilt.

    Liebe Grüße, bis bald!

  4. Hallo Schwester, lieben Dank für deine Worte. Ganz oft fühlen wir uns wie in einer „Fototapete“….oder wie in einem Naturfilm 🙂
    Bis bald und liebe Grüsse
    Annette & George

  5. Hallo Annette
    Hoffe das du einen wunderschönen Geburtstag hattest.Bin gestern nicht dazu gekommen dir zu schreiben.
    Wünsche dir alles Gute. Ganz liebe Grüße..Andrea

    1. Herzlichen Dank, Andrea. Irgendwie habe ich auf dieser Reise fast nur schöne Tage erlebt…und auch der Geburtstag war schön. Sonnig und eine Fahrt durch eine tolle Landschaft. Bis bald und ganz liebe Grüsse an dich
      Annette

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