Am 08.09.2016 morgens packen wir dann alles zusammen, um uns auf den Weg vom Bodensee nach Frankreich zu machen. Gut ausgeruht, mit bester Laune und voller Enthusiasmus. Wir sitzen schon fast auf den Motorrädern, als George sein Handy vermisst. In keiner Jackentasche ist es zu finden. Ich rufe von meinem Handy Georges Nummer an, aber kein Ton ist zu hören. Ist es gestohlen worden? Aber unser Hab und Gut war keine Sekunde ohne Aufsicht. Es bleibt nichts anderes übrig, als alles noch mal abzuladen und zu durchwühlen. Das gute Stück findet sich im fest eingerollten Schlafzelt. Über Nacht hatten wir unsere Geräte im Schlafzelt und ich habe alles raus genommen, als wir abbauten….und das Handy wohl übersehen.
Es plumpsten Steine vom Herzen und zwei Stunden später als geplant, starten wir dann endlich. Mit Sonne und Wärme.

Am Nachmittag erreichen wir Frankreich und am Rande der Vogesen finden wir einen günstigen Campingplatz.
Zu Essen soll es etwas aus der Dose geben, Tomatensalat und Baguett. Und zur Feier des Tages natürlich einen guten Wein.
Das Öffnen der Dose erweist sich als blutige Angelegenheit, denn wir haben keinen Dosenöffner. Die Säge vom Multitool tut ihren Dienst, bringt George aber 3 Schnittwunden bei. Unser Erste-Hilfe-Koffer kommt zum ersten Mal zum Einsatz.
Auch ein Korkenzieher befindet sich nicht in unserem Besitz. Andere Camper sind besser ausgestattet und helfen uns aus.

Das Leben ohne festes Zuhause muss sich noch einspielen und zur Routine werden. Ganz sicher werden wir in Zukunft bedachtsamer handeln. Vieles klappt aber schon super und mit der Zeit werden wir sicher Profis.
Am nächsten Tag fahren wir über die Vogesen auf kleinen Strässchen ins Burgund und kaufen in einem Supermarkt einen Dosenöffner und einen Korkenzieher, die unser Gepäckgewicht- und Volumen zusätzlich vergrössern.

Dann geht es weiter in die Normandie, wo uns die hübschen Häuser in kleinen Dörfern gut gefallen.

Am 12.09.2016 erreichen wir den Atlantik. Endlich mal wieder Meer und Sandstrand. Und Sonne. Bei Merville-Franceville mieten wir eine Coconut-Hütte für 4 Nächte. Ein paar Tage am Meer ausruhen und Sonne tanken. Wie lange haben wir das nicht gehabt und haben es uns gewünscht.

Geschichtsunterricht über den 2. Weltkrieg, den D-Day und das, was sich 1944 in der Normandie abgespielt hat, kann man an vielen Orten eindrücklich besichtigen.

Am letzten Tag sehen wir eine Gruppe von Menschen im Wasser laufen. Im ersten Moment denkt George, es seien Flüchtlinge (Scherz!) Anscheinend ist das eine Art Nordic Walking, was die Franzosen im Wasser betreiben, um fit zu bleiben oder abzunehmen. Sieht total witzig aus.

Das Wetter am nächsten Morgen ist richtig nass und als wir aus Merville starten, regnet es in Strömen und es regnet die 80 km weiter bis zum Omaha-Beach. Am Memorial-Museum schiessen wir ein Foto vor dem Panzer und hinterlassen danach eine Pfütze im Eingangsbereich des Museums, wo wir uns einen Kaffee gönnen. Wir sind nass bis auf die Knochen. Suchen, finden und mieten ein schönes grosses Zimmer mit riesigem Bad. Trocknen unsere Sachen. Finden ein Restaurant und schlafen nach dem Essen in einem extrem bequemen Bett. Die Möps dürfen sicher und trocken neben dem Kriegsjeep des Vermieters parken.

Für den folgenden Tag haben wir uns Mont Saint Michele vorgenommen und wir suchen uns einen Campingplatz in Ponterson. Fahren dann am Nachmittag mit meinem Motorrad (ich hinten drauf) zu diesem interessanten Monument, das zum Weltkulturerbe gehört. Und es wirkt wirklich fast irreal, wie in der Ferne dieser Hügel mit Kirche und Häusern aus der kargen und platten Landschaft aufragt.
Die ca. 2,5 km vom Parkplatz bis zum Mont Saint Michele laufen wir bei starkem Wind, der dazu auch noch ziemlich kalt ist. Das „Dreiwettertaft“ versagt kläglich. Zurück nehmen wir den Shuttle-Bus, weil uns die Füsse in den Motorradstiefeln weh tun, in der Annahme, dass man die Fahrt bezahlen muss. Nein, die ist umsonst, und zwar in beide Richtungen. Wir hätten also auch kostenlos hinfahren können.
Eigentlich braucht man einen ganzen Tag für den Mont. Es gibt dort so viel zu sehen und zu entdecken. Die grosse Kirche haben wir gar nicht besichtigt. Nur eine kleinere schlichte, aber hübsche Kapelle. Sind durch die Gässchen gestreift und viele kleine steile Steintreppen hoch und runter geklettert. Leider ist alles sehr touristisch dort, Getränke, Snacks etc. sündhaft teuer, es kostet dafür aber keinen Eintritt.
Bei Ebbe ist rund um den Mont kein Wasser, aber am Nachmittag kommt die Flut, von der gesagt wird, dass sie so schnell wie ein galoppierendes Pferd ist…und das stimmt. Durch die heftige Strömung der Flut würde der Mont in kurzer Zeit eine Insel, wenn die Brücke nicht wäre.

Geplant war, mehr Zeit in der Bretagne zu verbringen, aber das Wetter wechselt zwischen Sonne, Regen und heftigem Wind. Daher lassen wir Weicheier diese Gegend aus.
Reisen direkt nach Bernier en Retz in der Nähe von Nantes. Ein hübsches altes Dorf am Atlantik, wo alles sehr sauber ist. Sogar Abfallbehälter für Strandgut gibt es. Wir mieten für zwei Tage ein Mobilheim zu günstigem Nebensaisontarif. Treffen auf ein interessantes Pärchen, die Tipis vermieten und selber auch in einem wohnen.

Dann geht es weiter in die Nähe von Royan und von dort Richtung Bordeaux.
Irgendwann ist die Strasse Richtung Bordeuax gesperrt. Da es keine Umleitungsschilder gibt, werden wir per Navi zwei mal ca. 20 km umgeleitet, über Schotter und rumpelige Gassen, um wieder an der gesperrten Strasse zu landen. Es ist wie im Film: Und täglich grüsst das Murmeltier. Wir sind total genervt und suchen uns erst mal einen Campingplatz. Hier laden wir mit dem Abschiedsgeschenk unserer Kinder mit Hilfe der Sonne einige Geräte auf. Klappt super! Das bessert die Laune. Es gibt lecker Doseneintopf, von dem die Campingkatzen gerne etwas abhaben möchten.

Am nächsten Tag umfahren wir Bordeaux per Autobahn. Es ist ungewohnt, so schnell zu fahren, nach all den Tagen tuckern auf Landstrassen. Der Blick von der Autobahn auf die Stadt sagt: Es hätte sich gelohnt, Bordeaux zu besuchen. Und wenn man das nicht möchte, ist es besser, die Fähre bei Royan zu nehmen, um die Garonne zu überqueren und Bordeaux zu umgehen. Das Wetter ist heiß.
Wir trinken einen Kaffee in Saint Girond de la Plage, wo ich mit 16 Jahren mal im Urlaub war. Ist also schon „einige Jährchen“ her und es sieht nichts mehr aus wie damals. Wir übernachten ein paar Kilometer weiter. Südfrankreichfeeling auf einem Campingplatz im Pinienwald und obwohl der ca. 3 km vom Atlantik entfernt ist, hört man das Getöse der Wellen die ganze Nacht. Eine ganz spezielle Atmosphäre.

15 Tage nach unserem Start in Konstanz, erreichen wir am 23.09.2016 die spanische Grenze.

Unser Fazit nach den ersten 15 Tagen: Keiner von uns wünscht sich bislang zurück oder bereut den Schritt in das Abenteuer. Jeder Tag bringt neue Eindrücke und langweilig wird es nie. Das Bearbeiten der Webseite macht mehr Arbeit, als gedacht. Es ist gut, eine Aufgabe zu haben.
Das Motorradfahren in Frankreich auf grösseren und kleinen Landstrassen ist einfach klasse. Je nach Strecke und persönlicher Tagesform ist für uns aber meistens nach ca. 200 km und einer Reisezeit von 6 Stunden incl. Pausen, unsere Grenze erreicht…wie gut, dass wir kein Zeitlimit haben. Unsere Campingausrüstung funktioniert bisher tadellos. Luftmatratzen und Schlafsäcke sind warm und bequem. Trotzdem brauchen wir alle paar Tage auch mal eine echte Matratze….und fühlen uns eigenartigerweise dann ein bisschen eingesperrt in gemauerten Wänden.
Es gibt viele grossartige Sehenswürdigkeiten, von denen wir einige wenige erkunden und unscheinbare Orte, wo es oft interessantes zu entdecken gibt. Es gibt viele magische Momente in der Natur, z.B. als sich im Pinienwald eine Meise einfach auf meine Hand setzt und heute, als plötzlich 7 riesige Geier im kantabrischen Gebirge hoch über unseren Köpfen kreisen.

 

Unseren kleinen Glücksbringer Schnuff und Lienchen, haben die Reise bisher gut überstanden. Die beiden haben unterwegs schon einiges gesehen und erlebt, was sie unseren Enkelkindern dann zeigen und erzählen möchten.Dazu später mehr.

 

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11 thoughts on “Frankreich

    1. Vielen Dank für die Komplimente, Schwester. Es macht uns auch Freude, zu berichten. Ist gar nicht so einfach, wie gedacht, aber Übung macht den Meister 🙂
      LG Annette & George

  1. Hi ihr beiden Abenteuer,
    ganz toll geschrieben, weiter so.
    Wir verfolgen euer geschriebenes mit Spannung und erwarten mehr.
    Bis die Tage.
    LG Marie, Karo und Fabi

    1. Danke euch, ihr Lieben 3! 🙂 Wir bemühen uns, häufiger Beiträge hier zu posten, aber mal fehlt die Zeit, dann das WLAN, oder der Strom für Laptop.
      Bis die Tage und alles Gute für euch
      LG George und Annette

  2. Hallo Annette
    Es ist bemerkenswert,das man euch auf eurer Reise begleiten kann,und es macht Spass eure
    Kommentare zu lesen.Werde euch weiter zuschauen und bin froh das wir uns vor eurer Reise getroffen haben,sonst wär mir das alles entgangen.Ganz liebe Grüße und eine schöne Zeit
    wünscht euch Andrea

    1. Liebe Andrea, vielen Dank für deine lieben Worte und deine guten Wünsche. Es ist schön, wenn Menschen uns hier begleiten und Freude an den Beiträgen haben. Auch für mich ist es etwas besonderes und schönes, dass wir uns nach so vielen Jahren wieder getroffen haben. Einen lieben Gruss und beste Wünsche für dich
      Annette

  3. Hallo Annette
    Hab heute die Zeit gefunden euch zu begleiten.Hab mir vorgenommen mir dieses Vergnügen immer Sonntags zu gönnen.Es macht Spaß deine Reiseberichte zu lesen.Freu mich schon auf nächsten Sonntag.Ganz liebe Grüße von Andrea

  4. Liebe Andrea, danke für dein Interesse. Es freut uns sehr, wenn die Berichte Gefallen finden. Dann macht es doppelt Spass. Ob wir einen neuen Bericht bis nächsten Sonntag schaffen, ist nicht sicher. Zur Zeit schlagen wir uns mit Erkältungen herum, und wir bleiben mal wieder ein paar Tage an einem Ort zum auskurieren.
    Liebe Grüsse von Annette

  5. Hab auf Google ein spezielles Mopedfoto gesucht und doch prompt zuuuuufällig auf Eure Seite gestoßen.
    Muss doch und will vor allem sagen/schreiben: tolle Seite 🙂 Klasse mit den Fotos im Textfeld, die man auch noch anklicken kann !
    Danke für`s Teilen Eurer Erlebnisse 🙂
    Ne Nachmacherin habt Ihr jedenfalls dadurch gewonnen.
    Ich lese jetzt gespannt weiter 🙂
    Liebe Grüße aus dem Markgräflerland
    Beate (49)

    1. Hallo Beate
      vielen Dank für das tolle feedback!!
      Das freut uns sehr, wenn jemand zufällig auf unsere Seite stösst, Gefallen daran findet und dann weiterhin „mitreist“. 🙂
      In den nächsten Tagen kommt der Bericht mit Fotos „Marokko 2“ und das Video wird dann hier verlinkt. Auf youtube kann man es schon sehen.

      Lieben Gruss von
      Annette & George

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