Anderthalb Monate bereisten wir den Kaukasus in Georgien, Armenien und der Republik Arzach

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Einreise Georgien 18.05.2019
Einige Informationen über die Einreise: Wir benötigen kein Visum, dürfen bis 360 Tage im Land verweilen. Unsere Motorräder nur 90 Tage. Nach ca. einer Stunde haben wir die Formalitäten hinter uns. Georgien steht nicht auf unserer grünen Versicherungskarte und für 12,- Euro (pro Motorrad) erwerben wir hinter der Grenze an einem Kiosk eine Versicherung. Wir können wählen: 30, 60 oder 90 Tage. Wir nehmen die für 30 Tage. Wer unversichert erwischt wird, muss tief in die Geldbörse greifen. Der Preis für die Versicherung ist staatlich fest gelegt, genau so, wie auch die Benzinpreise.

Ohne genau zu wissen, welche Reiseroute wir nehmen werden, reisen bei Batumi nach Georgien ein.
In den letzten Tagen in der Türkei sind wir ganz entspannt überwiegend durch einsame Gegenden mit wenig Verkehr gefahren. Das ändert sich nun in Georgien. Die Küstenstrasse am schwarzen Meer ist viel befahren und viele Georgier fahren bzw. überholen zum Teil ziemlich riskant. In jedem Land sind die Fahrweisen unterschiedlich. Das muss man sich als Fahrer erst mal daran gewöhnen und seine Fahrweise anpassen.
Bei Urekli fahren wir auf einen Campingplatz am Schwarzen Meer. Der Sand ist schwarz, magnetisch und soll gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzen. Leider ist der Strand, wie fast überall, mit Müll übersät. Nur die abends im Wasser planschende Kuhherde heitert das Bild auf.

Auf dem Campingplatz treffen wir Patrick, einen Schweizer, der mit seinem Motorrad in 2 Jahren die Welt umrunden will. Sein nächstes Ziel ist der Iran. Wir drei sind uns gleich sympatisch. Man munkelt, dass die Einreise in den Iran von der armenischen Grenze noch möglich ist.
Eigentlich hatten wir diesen Traum schon begraben, aber, trotz wenig Hoffnung, entscheiden wir uns, zusammen mit Patrick, unser Glück noch mal zu versuchen. Die Entscheidung fällen wir nachts bei gemütlichem zusammen sitzen und mit Wodka. Unsere Einreisefristen für den Iran, laufen am 25. Mai ab.

Gut 1000 km sind es bis zur Iranischen Grenze. Das sollte zu schaffen sein, und so starten wir am 21. Mai. Vom Campingplatz fahren wir bis Achalziche.
In einem kleinen Ort überholen wir zwei LKW bei durchgezogenem weißem Mittelstreifen, und werden prompt von der Polizei gestoppt. Sie halten erst Patrick, dann George das Alkoholtestgerät entgegen. Bitte pusten! Ach du Schande…der Wodka vom Vorabend….aber wie ein Wunder sind keine Promille nachweisbar (man hört die Steine plumpsen) und ich bleibe nach einem prüfenden Blick des Polizisten verschont. Die Strafe wegen dem Überholen sind 50 Lari ( ca.16 Euro) für jeden von uns. Die sollen wir überweisen….aber wir haben keine Lust, eine Bank zu suchen und lassen es drauf ankommen.

Die Strecke ist zu Beginn recht befahren, dann geht es über eine Autobahn und später wieder Landstrasse durch die Berge.

Kurz vor Achalziche finden wir ein Guesthouse, wo gemütliche Privatzimmer sehr günstig vermietet werden. Abends gibt es für uns ein Erlebnis, dass wir nicht vergessen werden.

Von Georgischen Traditionen und ein „getoasteter“ Hund
Der Hausherr führt uns erst in seine ölige Garage, von dort führt eine Leiter in die Tiefe. Etwas skeptisch klettern wir in die Dunkelheit und entdecken, dass hier der selbstgekelterte Wein aufbewahrt wird. Eine Weinprobe ist angesagt. Aber nicht nur ein Schlückchen, sondern gleich eine grosse Tasse….und zwar jeder eine…auf ex. Nachdem wir den Wein gelobt haben, schleppt der Hausherr einen 5 Liter Kanister Wein zum Tisch.
Die Schwester des Hausherren hat in der Zwischenzeit landestypische Köstlichkeiten zubereitet und bringt eine Schüssel nach der anderen auf den Tisch, der sich unter der Last fast biegt.
Dann wird getafelt, die Schüsseln werden immer wieder aufgefüllt. Die Nachbarn schauen vorbei. Die Runde wird immer grösser. Der Hausherr holt seine Gitarre und singt wehmütige alte Lieder. Später gesellen sich die Töchter dazu. Die eine Tochter zeigt uns alte georgianische Tänze, die andere Tochter singt. Und zwischen all dem gibt es immer wieder Trinksprüche.
Das geht so: Der Hausherr ruft „Toast“ und dann folgt eine Danksagung und gute Wünsche für Freunde, für das Land Georgien, für den vor 80 Jahren verstorbenen Ururgrossvater, für unsere Reise, für den alten Wachhund u.s.w. und so fort. Jeder Trinkspruch wird ordentlich mit Wein begossen, d.h., dass gefüllte Glas muss auf ex ausgetrunken werden. Das ist Tradition und es ist eine Beleidigung, wenn man nicht mit trinkt…Frauen ausgenommen. Der Wein ist gut. Das Essen lecker. Die Stimmung ist fröhlich und nachdem alles „getoastet“ wurde und die 5 Liter Wein geleert sind…landet eine Wodkaflasche auf dem Tisch. In dem Moment ziehen wird die Handbremse, denn die Stimmung wird uns etwas zu ausgelassen. Auch denken wir an die lange Fahrt am nächsten Tag, oder dass uns womöglich wieder die Polizei stoppt…wir bedanken uns für den schönen Abend und wanken pappsatt und mehr als angeheitert in die Betten.

22.05.2019 Annette hat Heimweh
Am nächsten Morgen bezahlen wir die Übernachtung und fragen uns, wie teuer wohl das Essen und der Wein sind. Wir sind baff…das war eine Einladung dieser Menschen hier. Das war echte georgianische Gastfreundschaft. Wir bedanken uns herzlich und runden die Summe, die wir für die Übernachtung ( 20 Euro für 3 Personen) bezahlen müssen, grosszügig auf.

Ein mittelmässiger Kater begleitet uns auf den ersten Kilometern. Nur noch 100 km bis zur armenischen Grenze. Übernachten wollen wir am Sevansee in Armenien, den wir aber an diesem Tag nicht erreichen…denn die Strasse Richtung Grenze wird schnell schlechter. Erst sind es kleinere Schlaglöcher, die immer mehr werden und irgendwann besteht die Strasse nur noch aus Schlaglöchern gross wie Bombenkrater und dazwischen Schotter.

Die Strasse teilen wir uns mit LKW und Autos. Jedes Fahrzeug versucht, den Löchern auszuweichen und fährt Slalom…auch mal bis auf die Gegenfahrbahn. Dann muss man nicht nur den Schlaglöchern, sondern auch noch dem Gegenverkehr ausweichen. Es ist wie auf der Kirmes im Autoscooter. So eine extreme Schlaglochpiste ist uns bisher noch nicht unter die Räder gekommen. Die Reaktionen bei uns dreien reichen von: Augen zu und durch (Patrick), über: Ist doch nicht so schlimm (George), bis: Ich will sofort nach Hause!!! (Annette).
Wir ahnen, dass dieses nicht die letzte Schlaglochpiste sein wird und wir müssen das „ lange im Stehen fahren“ bei solchen Zuständen noch trainieren. Muskelkater, Rücken, Knie-und Beinschmerzen haben wir alle drei in unterschiedlicher Stärke.

Ohne Blessuren an Mensch und Material erreichen wir die Grenze.

Einreise-Info Armenien: Auch für Armenien brauchen wir kein Visum. Lediglich eine zeitbegrenzte Einfuhr der Motorräder (ca. 11,- Euro) und eine Motorradversicherung für einen Monat (auch 11,- Euro), werden verlangt.

Es dauert ca. 2 Stunden, bis alles erledigt ist. Die 50 Lari Strafe wegen dem unerlaubten Überholen , haben dank digitalem Zeitalter auch die Computer der Grenze erreicht, und wir müssen sie dort bezahlen. Erst dann dürfen wir aus Georgien ausreisen.
Es fängt an zu regnen.Wir fahren noch ein paar Kilometer. Die Strasse hat immer noch Schlaglöcher, die sich mit Regenwasser füllen. Man kann ihre Tiefe nicht abschätzen. Aber trotzdem ist es nicht so schlimm, wie vor der Grenze. Der Himmel zieht sich zu, es wird düster, so suchen wir ein Zimmer in Gjumri.

Das Hostel, welches wir ansteuern, hat bei google 5 Sterne…und in Vorfreude auf eine bequeme Nacht, ergattern wir ein 4-Bett Zimmer für uns drei. 5 google-Sterne bedeuten: Die Zimmertür endet ca. 20 cm über dem Fußboden, so dass die etwas ungepflegte Hostelkatze sich im Zimmer ihren Nachtplatz sucht und wie angenagelt in einem Sessel liegt. Auch hat die Tür kein Schloss. Im ganzen Hostel findet sich kein Waschbecken, wo man sich die Zähne putzen kann. Das muss man mit dem Duschschlauch erledigen, der sich in dem einzigen Toilettenraum für die gesamte Unterkunft befindet und ca. 2,5 m² gross ist. Die Kamera, zur Bewachung der Motorräder, oder doch eher zur Abschreckung von Einbrechern, ist eine uralte, defekte Polaroid Sofortbildkamera, die über der Eingangstür angebracht ist….ach, Hauptsache bequeme Betten… auch wenn diese so kurz sind, dass die Füsse von George und Patrick über das Ende hinaus ragen. Annette hat es gut mit ihren 1,60m. Wir wollen nicht meckern…denn wir haben gut geschlafen und die Polaroid Sofortbildkamera musste in der Nacht keine Diebe aufnehmen.

23.05.2019 Richtung iranische Grenze
Weiter geht es zum Sevansee. Er ist mit fast 1300 km² der grösste See des Kaukasus und liegt auf 1900 m ü.M. Ist rund doppelt so gross wie der Bodensee und das einzige grosse Wasserreservoir im Südkaukasus.
Auf diesem Abschnitt ist die Strasse bestens. So kann man auch die schöne Aussicht geniessen, ohne ständig auf den Strassenbelag aufzupassen.

Am Nachmittag erreichen wir den Campingplatz Crossway bei Getap und bauen unsere Zelte auf.

25.05.2019 Der Traum „Iran“ ist ausgeträumt
Am nächsten Tag steht es fest: Der Iran gewährt nur 7 Tage Transit für die Motorräder! Und das nur mit Hilfe eines Vermittlers, der 500 Dollar (pro Motorrad) für seine Dienste verlangt. Dieser Vermittler stellt spezielle provisorische Carnets aus. Die ADAC-Carnets akzeptieren sie nicht mehr! Das seltsame ist, dass ein international anerkanntes Dokument, das die Ausfuhr des Fahrzeugs mit 3000€ garantiert, nicht mehr gilt, sondern ein handgeschriebener Zettel (temporäres Carnet), das keinerlei Garantie beinhaltet! Geht es um die schnell verdienten 500 Dollar cash?

1000 Dollar für zwei Motorräder und dann nur für 7 Tage Iran? Ein sehr teurer Spass und das nur, um nachher sagen zu können, dass wir mit unseren Motorrädern im Iran waren? Nein das machen wir nicht!
Aus der Traum für uns. Indem uns der Iran die Einreise unserer Motorräder verwehrt hat, haben wir hunderte von Euro in den Wind geschossen (Visa und Carnetgebühr)
Zwei Monate wollten wir im Iran bleiben. Es sollte das highlight unserer Reise werden, auf das wir uns sehr gefreut haben. Viele Wochen haben wir die Route vorbereitetet, Informationen über Sehenswürdigkeiten gesammelt… all das fällt definitiv ins Wasser!
Es fällt, besonders George, nicht leicht, diesen Traum zu begraben.

Update 09.2019: So wir wir gehört haben, hat der Iran das Gesetz, dass nur Motorräder unter 250ccm in das Land einreisen dürfen , aufgehoben und es ist erlaubt, mit ADAC-Carnet und mit grossen Motorrädern, das Land zu bereisen.

Wir überlegen, beraten und diskutieren, wie es jetzt für uns weiter geht.
Unsere geänderte Route wird uns später dann durch Russland zum Nordkap führen. Aber vorher wollen wir noch den kleinen und grossen Kaukasus in Armenien und Georgien genauer anschauen und geniessen. Über keines dieser Länder haben wir uns vorher informiert, für keines dieser Länder haben wir einen Reiseführer, geschweige denn, Landkarten. Wir planen per google….wenn wir Internet haben. Ab jetzt also weniger Planung und mehr Spontanität.

26.05.2019 Armenien ist wunderschön…trotz der Schlaglöcher

Am nächsten Morgen packen wir unsere Sachen zusammen und fahren Richtung Sevansee, den wir ja auf der Herreise schon passiert haben. Diesmal fahren wir aber an der östlichen Seite entlang. Oben auf dem Vardenyats Pass sind viele Leute, die auf den grünen Wiesen in dieser sauberen Landschaft und der reinen Luft, Kräuter sammeln. Kräuter und Wildgemüse sind fester Bestandteil der armenischen Küche. Es duftet nach Dill und wilder Minze.

Auf der Weiterfahrt entdecken wir auf einem Hügel ein riesiges Monument. Das müssen wir genauer unter die Lupe nehmen. Beim näher kommen sehen wir, dass es ein Friedhof ist. Die Armenier lassen auf den Grabsteinen entweder ein Bild der Verstorbenen eingravieren oder sogar eine naturgetreue, lebensgrosse Steinskulptur aufstellen. Drei Grabsteine fallen besonders auf. Drei Männer in Lebensgrösse sind darauf abgebildet. Zwei haben Zigaretten in der Hand, der mittlere einen Autoschlüssel. Soll das auf die Todesursachen hindeuten?

Weiter geht‘s östlich um den Sevansee auf einer guten Asphaltstrasse, bis in ein Dorf. Unsere Navis zeigen „links ab“. Plötzlich ist die gute Strasse zu Ende. Es geht einen Feldweg weiter, unter einer Eisenbahnbrücke durch, bis zu einer Schotterstrasse, die der Schlaglochpiste Richtung armenischer Grenze erschreckend gleicht.
Eine gute Gelegenheit für Annette, das Fahren auf langen Pisten im Stehen zu üben. George fährt vor, Annette hinterher…Kniegelenken und Beinmuskulatur tut es gut, als nach endlosen Kilometern wieder Asphalt auftaucht.

Auf dem ganzen Weg treffen wir auf keine anderen Fahrzeuge, ausser einem alten Auto, dass einsam mitten auf der Strasse in der glühenden Sonne steht und den Geist aufgegeben hat. Der Fahrer döst im Auto, hat aber schon Hilfe angefordert.

Gegen Nachmittag entdecken wir einen einsam gelegenen Campingplatz, und beschliessen, die Nacht dort zu bleiben. Die ganze Ostseite des Sees ist eher einsam, im Gegensatz zur Westseite, die besiedelter und auch touristischer ist.  Der Platz hat eigentlich noch gar nicht geöffnet, aber wir dürfen unser Zelt zwischen schattigen Pinien aufbauen. Der Betreiber hat gerade den Grill angeschmissen, und die Crew, die hier den Platz für die Sommersaison herrichtet, läd uns zum Essen ein und kühles Bier gibt es auch.
Ein Gewitter rollt heran und es fängt heftig an zu regnen und zu stürmen. Der Mai ist der regenreichste Monat in Armenien.

27. bis 30.05.2019 Yerewan ist eine der ältesten Städte der Welt
Morgens finden wir auf dem Campingplatz nicht mal Trinkwasser und von der Crew ist keiner zu finden. Mit dem bisschen Restwasser, das wir noch haben, bekommt jeder nur ein Schlückchen Kaffee und noch nicht wirklich wach, schwingen wir uns in die Sättel. Die idyllische Strecke vom Campingplatz nach Teghut geht durch die Berge und durch viele kleine Dörfchen.
Kühe, Gänse, Pferde, Hunde…alles trifft man auf der Strasse und an diesem Morgen ist die Luft so klar und rein und das Licht lässt alles wie in einem Bilderbuch aussehen.

Unser nächstes Ziel ist Yerewan, die Hauptstadt Armeniens. Richtung Stadt steigen die Temperaturen rapide an. Es ist total heiß und schwül.
George hat Geburtstag. Torte backen und Party feiern ist auf so einer Reise schlecht zu organisieren, aber zur Feier des Tages leisten wir uns für 30 Euro ein richtig gutes Hotel mitten in der City, mit Balkon und Klimaanlage und Frühstück. Abends schlendern wir noch ein bisschen durch die Stadt, gehen schön essen und lassen den Abend in einem Park, mit vielen beleuchteten Springbrunnen ausklingen.

Jerewan hat über 1 Mill. Einwohner, ist eine der ältesten Städte der Welt und sehr geschichtsträchtig. Schon 4000 Jahre v. Chr. war das Gebiet besiedelt. Es ist eine sehr schöne, moderne Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Am nächsten Tag gehen wir sightseeing und laufen, bis uns die Füsse qualmen.

Das angenehme sind die vielen Parks mit grossen schattigen Bäumen, wo man sich zwischendurch ausruhen kann…und abkühlen. Denn es ist um die 30 Grad heiß. Auffallend sind die Wachpostenhäuschen an den Ein- und Ausgängen der Parks. Darin befindet sich mindestens ein Wachmann in Uniform, meistens ältere Männer.

In Armenien ( so wie auch in Georgien) gibt es an den Landstrassen immer wieder Wasserstellen und in den Städten findet man an jeder Ecke Wasserspender, an denen man seinen Durst löschen kann. Und das Wasser ist gut. Man muss kein Wasser kaufen und das erspart der Umwelt Berge von Plastikflaschen. Das hat uns sehr beeindruckt. Wir haben immer nur dieses Wasser getrunken und hatten keine Probleme. Hier spürt man, dass das kostenlose Trinkwasser eine Selbstverständlichkeit und ein Grundrecht für jeden Mensch ist! Ist Armenien in diesem Punkt fortgeschrittener als wir? Oder hat die Marktwirtschaft diese Länder noch nicht richtig entdeckt?

30.05.2019 bis 09.06.2019 Abenteuerfahrt und 10 Tage Landluft
Nach zwei Tagen haben wir genug Grossstadtluft geatmet und wollen wieder in die armenische Natur eintauchen. Auf der Overlander-Seite haben wir von einem tollen Campingplatz gelesen. Nur 45 km entfernt von Jerewan, 5 km vor dem Kloster Geghard, welches am Ende der Strasse seit hunderten von Jahren existiert, quasi in einer Sackgasse.
Wir füttern unsere Navis mit den GPS Daten und freuen uns, als wir schnell aus der City raus sind. In der Ferne ist der Ararat heute ganz klar zu erkennen.

Weiter geht es mal links, mal rechts ab, wir passieren einen See….komisch, auf google sah es so aus, als ob die Strasse immer geradeaus bis zum Campingplatz und zum Kloster führt und ein See war da auch nicht. Sind wir überhaupt auf der richtigen Strecke? Das Ziel haben wir als Koordinaten im Navi eingegeben. Es muss die richtige Richtung sein. Ohne Landkarte zu reisen kann richtig spannend sein. Unser Weg wird immer holpriger, geht in Schotter über, bis wir plötzlich vor unglaublich steil abwärts führenden Serpentinen landen. Das, an sich, wäre ja nicht so schlimm, aber der Weg ist völlig ausgewaschen und der Lehm bildet zusammen mit grossen Steinen regelrecht Stufen. Zu all dem befindet sich eine riesige Schafherde auf der Strecke. Hirten auf Pferden begleiten die Tiere, aber sie können lediglich enge Spuren für uns frei machen. Hier hat wohl niemand mit Fahrzeugen gerechnet. Vorsichtig holpern und jonglieren wir unsere Motorräder den Pfad hinunter, immer in der Sorge, auf einem Schaf oder der eigenen Nase zu landen. Denn einmal los gefahren, kann man kaum noch anhalten.

Aber alles geht gut. Nach den Serpentinen besteht die Strasse (man ahnt es schon) mehr aus Schlaglöchern, als aus Asphalt. Grosse Hunde, die Freude haben, ihren Jagdtrieb an Motorrädern auszuleben, schiessen aus dem Gebüsch und erschrecken uns. Mystisch wirkende Blumenwiesen mit Mohn und lila Blumen säumen die Strasse. Ein Trupp Soldaten kommt uns in der Ferne entgegen. Gewehre über der Schulter und Rucksäcke auf dem Rücken. Sie lachen und zeigen uns „Daumen hoch“ und fragen, ob sie ein Foto von uns machen dürfen.

Nach einigen Kilometern erreichen wir eine Querstrasse… ein grosser Reisebus rauscht vorbei. Es gibt sie also doch, die google-Strasse. Gut zu wissen für den Rückweg, dass wir die Wahl haben…

Nach ein paar Kilometern erreichen wir den Campingplatz, der tatsächlich eine Oase in schönster armenischer Natur ist. Ein engagiertes holländisches Pärchen hat diesen Platz gebaut und wir treffen hier auch interessante andere Reisende. Es ist ein Platz, wo man bequem und mit manchem Komfort ein paar Tage ausruhen kann.

An einem Tag besuchen wir das 5 km entfernt gelegene Kloster Geghart.Das Kloster liegt sehr idyllisch und versteckt zwischen felsigen Bergen und auch innen ist es sehr interessant. Trotz der vielen Besucher strahlt es eine mystische Stimmung aus.

Abends, wenn es etwas kühler wird, gehen wir eine Runde durch das nahegelegene Dorf. Eine Kuhherde trottet hinter uns her und wir beobachten, wie eine Kuh nach der anderen sich von der Herde trennt und selbständig zu ihrem Zuhause geht und dort vor dem Tor auf Einlass wartet! So etwas haben wir noch nie beobachtet. Jedes Haus im Dorf hat einen gut bewirtschafteten Gemüsegarten. Der Kuhdung wird getrocknet, und als Brennmaterial benutzt. Auch wenn die Menschen nicht reich sind, wirkt das alles wie ein kleines Paradies.

Wir kaufen in diesen Tagen immer in den kleinen Läden ein, die wir zu Fuss erreichen können und ernähren uns von den regionalen Produkten, die dort verkauft werden. Früchte, Gemüse, Käse und Hühnerbollen, die so riesig sind, wie bei uns ein ganzes Huhn.

09. bis 12. 06.2019 Noch mal nach Yerewan…aber unfreiwillig
10 Tage waren wir auf dem Campingplatz und haben uns dort sehr wohl gefühlt. Ganz in Ruhe haben wir das Türkeivideo und den Bericht fertig gestellt.
Jetzt soll es weiter gehen. Geplant ist die Strecke in den Süden, runter nach Meghri und dann die M7 wieder rauf. Zwei Pässe und viele Kurven. Allerdings macht uns die Enfield einen Strich durch die Rechnung. Schon seit einiger Zeit hat Annette festgestellt, dass sich das Lenken irgendwie anders anfühlt, und heute wird es immer schlimmer. Die Lenkung „hakt“ regelrecht.
George macht eine kleine Probefahrt und stellt die Diagnose: Defektes Lenkkopfkugellager.
Wir sind schon fast 80 km gefahren und kehren wieder um nach Yerewan, denn nur dort ist die Chance auf eine gute Motorradwerkstatt gegeben.  Ersatzteile für Royal Endfiel Himalayan in Armenien zu beschaffen…das kann ja heiter werden. Diese Motorradmarke hat hier keine Vertretung. Um das Ersatzteil zu bekommen müssen wir einen anderen Weg finden. Zum Glück haben wir für beide Motorräder die Werkstattbücher als PDF in unserem Laptop. Ein Muss für jeden Motorradreisenden. Darin findet man Reparaturanleitungen, aber das wichtigste, alle Ersatzteile mit Bestellnummern! Die Nummern sind weltweit die gleichen! Mit dem Buch und der Hilfe eines guten Freundes (vielen Dank Heiko ), finden wir das Modell des Kugellagers heraus und da es ja in Armenien keine Enfieldvertretung gibt, müssen wir herausfinden, wo diese Kugellager sonst noch verbaut werden. Nach kurzer Zeit wissen wir, dass die gleichen Kugellager auch als Radlager für einige Automodelle von Ford, Mazda, Renault, Subaru, Dacia usw. dienen. Ein grosses Dankeschön an Onkel Google! 🙂 In der ersten Fordwerkstatt werden wir fündig. Und sie empfehlen uns eine gute Motorradwerkstatt mitten in Jerewan.
Das war ja einfacher, als wir dachten. Unglaublich! Die Motorräder lassen wir in der Motorradwerkstatt. Dort sind sie sicher, und wir gehen zu Fuss in ein günstiges Hostel, ein paar hundert Meter weiter.

Am Dienstag holen wir die Enfield ab, bezahlen und bedanken uns herzlich. Abends besichtigen wir die Kaskaden in Yerewan.
Mit der Beleuchtung im Dunklen, ist das ganze ein wunderschönes Erlebnis.

12.06.2019 Wohl ne Schraube locker…oder was?
Am Mittwoch sind wir froh, die Grossstadt hinter uns lassen zu können und hoffen, dass wir diesmal die geplanten Pässe ohne Panne erreichen. Die Enfield lässt sich wieder wie gewohnt lenken und auch das neue Gabelöl macht sich bemerkbar. Die Federung ist etwas straffer und das fühlt sich gut an. Geplante Ziele für heute sind das Kloster Norwank und dann der Crossway Camping.
Annette: „Als ich wegen einem Lastwagen, der vor mir fährt und plötzlich die Geschwindigkeit verringert, bremsen muss, bemerke ich, dass meine Vorderbremse nicht mehr funktioniert. In Panik und reflexartig weiche ich rechts auf den Schotterstreifen aus, um ein Zusammenprall zu verhindern. Zum Glück kommt kurz darauf ein abschüssiger, schotteriger Parkplatz. Dort versuche ich mit Kupplung, Rückbremse und zusammen mit allen zur Verfügung stehenden Schutzengeln, die Enfield zum stehen zu bringen. Kurz bevor ich im Gebüsch lande, steht die Enfield. Mein Adrenalinspiegel ist schlagartig auf 150%.
George, blass vor Schreck, fährt neben mich und entdeckt sofort die Ursache: „Die Vorderbremse baumelt nur noch am Bremsschlauch.“ Beide Schrauben sind verschwunden. Wir dürfen gar nicht darüber nachdenken, was hätte passieren können…ich zittere wie Espenlaub und mir kullern ein paar Tränen. George umarmt mich und muss mir bestätigen, dass alles gut gegangen ist.

Wir improvisieren mit viel zu langen Schrauben und vielen Unterlegscheiben, die wir in unserem Fundus haben, befestigen die Bremsen und fahren dann langsam die 30 km bis zum Campingplatz. Dort informieren wir die Werkstatt per WhatsApp mit Foto der baumelnden Bremse…immer noch mit Adrenalin im Blut, aber auch wütend: Wollt ihr mich umbringen?…denn wir sind überzeugt, dass die Schrauben nicht richtig befestigt wurden. Der Werkstattchef meldet sich sofort, total geschockt, und macht sich auf den weiten Weg von Jerewan zum Campingplatz und bringt neue und passende Schrauben mit. Er entschuldigt sich vielfach, glaubt aber, dass die Schrauben der Enfield schlechte Qualität haben und deswegen raus gefallen sind. So ein Schmarren!! Der Mechaniker versichert, dass er die Schrauben festgedreht hat, sogar mit loctide….niemals!! Fremdeinwirkung ist zu 99,9% auszuschliessen, denn die Motorräder standen am Hostel in einem abgeschlossenen Innenhof. Es ist ja noch mal gut gegangen und nobody is perfect und „wer noch nie einen Fehler machte, werfe den ersten Stein“…

13.06.2019 Schäfchen zählen….
Am nächsten Tag ist der Schreck verklungen und die Fahrt geht über Goris, Tatev bis Kapan. Mein Blick geht aber ab jetzt doch öfter mal runter Richtung Vorderbremse…sitzt noch alles?
Ab Goris wird die Strecke sehr kurvig und zum Teil hat der Asphalt Wellen geschlagen.

Unterwegs machen wir eine Pause, weil ein Heer von Schafen vorbei zieht. Es sind mindestens tausend Schafe und die Prozession scheint kein Ende zu nehmen. Riesige Hunde und auch Reiter begleiten die Herde. Der Schäfer, der zum Schluss reitet, hält an und erklärt lachend mit Händen und Füssen, dass er sein Pferd gerne gegen die Enfield tauschen würde….auch wenn sein Pferd freundlich schaut…no chance. Denn aus persönlicher Erfahrung weiss Annette, dass ein durchgehendes Pferd schwerer zu stoppen ist, als eine Enfield ohne Vorderbremse….ausserdem kann ein Motorrad nicht buckeln.

In Kapan übernachten wir…

14.06.2019 Gibt es in Armenien Bären?
…und starten am nächsten Tag Richtung Meghri, von wo wir durch das Shikahog Reservat über den Kapan-Shikahogh-Meghri Motorway, kurz: M 7, zurück bis Goris fahren wollen.

Ab Meghri fahren wir einige km parallel zur iranischen Grenze. Sehen die iranische Strasse auf der anderen Seite der Grenze, und betrachten sie sehnsüchtig. Da würden wir jetzt gerne fahren. Nur ein Zaun und der Fluss Arras liegen dazwischen. Die Berge im Arrastal sind fantastisch und gewaltig und wir ahnen, was wir im Iran verpasst haben.

Die M7 hat einen super Asphalt. Die Aussicht ist gigantisch und die Natur herrlich. Uns kommen insgesamt 3 Autos entgegen, ansonsten sind wir alleine dort. Aber nicht ganz. Denn plötzlich steht ein Bär hoch aufgerichtet auf der Strasse. Was für ein Schreck, aber der Bär ist noch mehr erschrocken, denn hurtig sprintet er davon und verschwindet im Gebüsch. Zwischen Kapan und Goris ist die Strasse wieder wie ein Wellenmeer. Erschöpft, aber voller schöner Eindrücke, geht dieser Tag zu Ende. Wir übernachten in Goris.
15. bis 16.06.2019 Psycho!

Von Goris fahren wir 130 km bis zur Grenze von Arzach, das bis 2017 Berkarabach genannt wurde. Die Republik Arzach wird überwiegend von Armeniern bewohnt und hat 1991 seine Unabhängigkeit erklärt. Weder die vereinten Nationen, noch die EU und auch nicht Armenien und Aserbaidschan erkennen die Unabhängigkeit an. Somit gehört Arzach zu den nicht anerkannten Staaten.
Die Einreise geht schnell. Als Passeintrag bekommt man nur einen Zettel und keinen Stempel in den Pass. Ein Stempel würde bei einer Einreise nach Aserbaidschan Probleme bereiten. Immer mal wieder lodert der Konflikt um Arzach an der aserbaidschanischen Grenze auf. Deswegen sollte man sich von den Grenzregionen fern halten.

Über die Hauptstadt Stepanakert fahren wir über perfekte Strassen, durch tiefe Wälder und herrliche Natur bis nach Vangli.

In der Nähe von Vangli übernachten wir in einem Hotel, das einsam an einer Seitenstrasse steht. Tags über tummeln sich hier viele Besucher. Der Erbauer dieser Anlage war sehr kreativ.

Im kleinen Restaurant gegenüber des Hotels gibt es dünne Teigfladen, eine typische Spezialität, die mit 13 Wildkräutern gefüllt sind. Lecker!

Abends verschwinden die Touristen und es wird still im und um das Hotel. Sind wir womöglich die einzigen hier? Es scheint so. Selbst das Hotelpersonal ist weg! Die Zimmer sind mehr als schlicht, dazu kommen brettharte Matratzen, so dass wir unsere Luftmatratzen aufpusten. Annette: Und so kann ich vorm einschlafen noch gemütlich in meinem e-book lesen…ich liebe die richtig spannenden Psychothriller…irgendwann klappen mir die Augen zu…nachts gegen 4 Uhr schrecke ich auf..
Gröhlend und lachend laufen mehrere, offensichtlich besoffene, Männer auf dem Gang. Sie laufen im Hotel hin und her, rütteln an unserer Tür. Die ist fest verschlossen. Aber die Verandatür des Zimmers kann man nicht abschliessen und die grosse Veranda kann auch von den leerstehenden, offenen Nebenzimmern erreicht werden. Und auch dort laufen die Typen herum. Ich schnappe mir einen Stuhl und eine Schublade, schiebe beides unter die Klinke der Verandatür. Das sollte halten….und wenn nicht? Vorsichtshalber hole ich mein Gemüsemesser aus der Tasche, sitze mit Herzklopfen im dunkeln Zimmer und hoffe, dass der Spuk vorbei geht.
George hat einen beneidenswert tiefen Schlaf. Ich lasse ihn im Reich der Träume, weil ich mir nicht sicher bin, ob nicht doch mein Psychothriller am Vorabend Einfluss auf meine Fantasie hat und ich in meinen Gedanken übertreibe…irgendwann im Morgengrauen wird es ruhig. Die Typen haben anscheinend einen Schlafplatz gefunden, ausser einem, der seinen Mageninhalt im Gemeinschaftsbad gegenüber laut würgend entleert.
Ohne Frühstück, nur mit einem kalten Kaffee, brechen wir gegen 9 Uhr auf und fahren weiter durch Landschaften, die man als lieblich bezeichnen kann. Dann durch eine enge Schlucht und weiter über den Sotk Pass, vorbei an den Silberminen bis zum Sevansee.

18.06.2019 Donnerwetter!!
Langsam geht es für uns wieder Richtung Georgien. An diesem Tag bis Alawerdi und zum Kanchagar Camping. Der Platz liegt auf einem Hochplateau, hat eine fantastische Sicht auf die umliegenden Berge und die tiefe Schlucht.

Wolken ziehen auf. In der Ferne donnert es. Wir haben zwar etwas zu essen, aber uns beide gelüstet es nach einem Bierchen. Die nächsten Läden sind ca. 2 km entfernt. Wir betrachten den Himmel und diskutieren, ob es regnen wird oder nicht…George ist pessimistisch, Annette das Gegenteil. George will am Campingplatz bleiben, Annette will ins Dorf…ganz keck lässt sie noch die Bemerkung fallen: Wir sind doch nicht aus Zucker! …also gehen wir los. Auf der Hälfte des Weges ziehen die Wolken plötzlich in windeseile näher. Es blitzt und donnert. Das Gewitter ist direkt über uns. Annette zuckt bei jedem Blitz zusammen. Ihre kurzen Schreckensschreie werden zum Glück vom lauten Donner verschluckt. Gewitter sind so gar nicht ihr Ding. Mit Recht kann George jetzt ein paar hämische Bemerkungen los lassen.
Erste Tropfen fallen, es gibt nichts zum unterstellen und wir drehen schnell um… aber zu spät…die Schleusen im Himmel öffnen sich, es giesst wie aus Kübeln, es stürmt und es hagelt dicke Eiskörner.
Zurück am Platz steht uns das Wasser in den Schuhen …und im Zelt. Zum Glück bleiben die Schlafsäcke trocken. Genau so schnell wie es kam, ist das Unwetter auch wieder verschwunden.
Der Besitzer des Platzes sieht uns wie begossene Pudel an unserem Zelt stehen und spendiert uns eine Flasche Wein aus seinem privaten Fundus..

19. bis 22. 06.2019 Georgien…Klappe die zweite
28 Tage haben wir in Armenien verbracht. Es ist ein Land, mit fantastischer Natur, freundlichen Menschen, günstigen Preisen und vielen glücklichen, frei laufenden Nutztieren…und (zum Teil) furchtbaren Strassen. Es wird aber in den Strassenbau investiert und in ein paar Jahren sind diese Schlaglochpisten wahrscheinlich Geschichte.
Die Ausreise aus Armenien und Wiedereinreise nach Georgien, dauert nur wenige Minuten. Wir haben ja schon alle Formalitäten bei der ersten Einreise erledigt.

Tiflis
Wir fahren bis Tiflis, der Hauptstadt, und finden eine Unterkunft etwas ausserhalb des Zenrums. Für uns ist immer wichtig: 1. Sicherer Parkplatz für die Motorräder 2. günstiger Preis. Der Rest ist nicht ganz so wichtig. Aber meistens ist alles sauber, die Betten von bequem, über naja bis bretthart. Oft gibt es eine Gemeinschaftsküche und immer treffen wir auf freundliche Menschen.

Die City von Tiflis erreichen wir mit der Metro, die ein kleines Abenteuer ist. Eine unendlich lange, steile Rolltreppe führt in die Tiefen der Erde. Die Rolltreppe fährt ziemlich zügig und trotzdem steht man mehrere Minuten darauf. Die U-Bahn rumpelt, schaukelt und hüpft…fährt sie überhaupt auf Schienen? Nach 5 Stationen sind wir im Zentrum und sausen auf der Rolltreppe wieder ans Tageslicht….wenn die mal ausfällt, muss man eine gute Kondition besitzen.

An diesem Tag ist es heiß und schwül, aber auch in Tiflis City gibt es viele Parks mit grossen, schattigen Bäumen. An der Hauptstrasse stehen moderne bzw. gut sanierte Gebäude. Geht man in die Seitenstrassen, findet man viele alte, schöne Häuser, die ziemlich verfallen aussehen. Wo Geld fehlt, um sie zu erhalten. Als Fotomotiv sind diese Gebäude sehr reizvoll.

Und alles ist sehr sauber, vielleicht, weil es 700 Lari (ca. 315 Euro) Strafe kostet, wenn man Müll, Kaugummis oder Kippen auf die Straße wirft. Auch Tauben füttern ist verboten.
Fatal ist, dass eine Lehrerin im Durchschnitt ca. 300 Lari monatlich – umgerechnet nur 135 Euro, verdient.

Positiv fallen die vielen Hunde mit Ohrmarke auf. Sie sind kastriert und so hält man die unkontrollierte Vermehrung in Grenzen. Diese Hunde sind auch geimpft und die allermeisten sehen gesund und gut genährt aus.

22. bis 25. 06.2019 Falsch geradeaus gefahren

Am nächsten Morgen lassen wir noch einen Ölwechsel an beiden Motorrädern machen. In Tiflis ist die Werkstatt „Bikeland“ zu empfehlen.
Heute ist es mal wieder unglaublich heiß und wir quälen uns durch den immer wieder stockenden Strassenverkehr. Die Georgier fahren manchmal chaotisch. Vielleicht liegt es daran, dass oft keine Fahrspuren auf dem Asphalt sind und so fährt jeder, wie es ihm beliebt…es drängen sich auch mal Autos zwischen unsere Motorräder. So auch heute. Und so kommt es, dass George richtig links abbiegt und Annette falsch geradeaus fährt. Die Sena Kommunikationsgeräte sollen bis auf 1000m funktionieren. Das stimmt definitiv nicht. Und so verlieren wir uns im Verkehrschaos.
Für diesen Fall haben wir abgemacht, dass der, der auf der richtigen Route ist, irgendwo am Strassenrand wartet, bis der andere die richtige Strecke wieder gefunden hat. Das funktioniert. Es ist das erste Mal, dass uns das passiert ist…muss ja auch mal geübt werden.
Weiter geht es durch den Nationalpark Tibilissi bis Tianeti, durch Berge und tiefen, dichten Wald, der die Hitze erträglich macht.

Sympatisches Kutaisi
In Kutaisi finden wir eine sehr günstige Privatpension mit Waschmaschine, hoch über der Stadt auf einem Berg. Natürlich erreichen wir diese erst, nachdem unsere Navis uns über steilste Gassen, kreuz und quer durch das Wohngebiet, bis zur Unterkunft gescheucht und zum schwitzen gebracht haben, obwohl auch eine relativ einfach Strasse zur Pension führt….wir kennen das ja schon. 3 Tage Pause wollen wir uns hier gönnen. Ab und zu müssen ja auch mal die Klamotten gewaschen werden. Das erledigen wir hier.

An einem Morgen gehen wir früh in die Stadt. Direkt an der nächsten Ecke sitzen zwei Herren und „frühstücken“….Käse, Brot und Wein. Sie laden uns ein…George muss den Wein probieren, Annette als Frau darf ablehnen, bekommt dafür Brot und Käse…der grausam salzig ist und beim weiter gehen dann im nächsten Gebüsch landet. Tatsächlich gilt es in Georgien als unhöflich, wenn man so eine Einladung ablehnt.

Unterwegs sehen wir zwei prominente „Helden“ auf dem Müll liegen. Wir verhelfen ihnen zu neuen Abenteuern….und bringen damit einige Passanten zum schmunzeln.

Kutaisi ist uns sympatisch.

25. bis 27. 06. 2019 In den hohen Kaukasus: Mestia
Nach 3 Tagen Wäsche waschen, relaxen, rumlaufen und fotografieren, sind wir neugierig auf den Kaukasus. Heute geht es Richtung Mestia, welches auf 1700 m liegt. Zuerst geht die Fahrt durch eine heisse und schwüle Ebene und dann hoch in die erfrischenden Berge.

An und auf der Strasse stehen und laufen viele Kühe, aber auch Pferde, Schweine und Hühner frei herum. Auch innerhalb von Ortschaften.

Und Achtung: Kühe lieben bei der Hitze den kühlen Schatten. Den finden sie auch in den Tunneln, die nicht immer beleuchtet sind. In den ganzen Wochen haben wir aber keinen Unfall mit Tieren gesehen.
Die Strecke ist wundervoll und Mestia liegt wunderschön zwischen den Bergen. Die alten Wachtürme machen den Ort einzigartig.

Georgisches Landleben in Sugdidi
Wir fahren die gleiche Strecke zurück. In Sugdidi, der Hauptstadt der Regionen finden wir eine ganz spezielle Übernachtungsmöglichkeit ….ein idyllischer Bauernhof. Die Besitzer vermieten hier gemütliche Privaträume, teilen ihre Küche und das Wohnzimmer mit den Gästen und sie sind unglaublich herzlich. Leider können sie kaum Englisch, aber wir haben gelernt, mit Händen und Füssen zu „sprechen“.

Zum Hof gehören 3 Büffeldamen, eine mit Kälbchen, die morgens aus dem Stall gelassen werden und abends von selber heim kehren.

Was für ein romatischer Ort. Die Büffelmilch wird verkauft und ist neben der Vermietung der Zimmer, ein Teil des Einkommens der Familie. Sie leben sehr schlicht, strahlen aber eine Ruhe und Zufriedenheit aus, die fast schon melancholisch wirkt. Zwei Nächte geniessen wir diese Stimmung.
Zu sehen und zu erleben, wie eine georgische Bauernfamilie lebt, ist sehr interessant.

Wir steuern Gori an und zwar in einem Rutsch. Unterwegs regnet es und wir nutzen die sehr gut ausgebaute Strasse E 60, die uns heute passend kommt. Da es am Folgetag durchregnet, bleiben wir zwei Tage in Gori, der Geburtsstadt von Stahlin.

30.06.2019 Auf der alten Heerstrasse Richtung Russland
Der Regen hat die Luft etwas abgekühlt, dafür ist es jetzt windig. Auf der legendären Heerstrasse fahren wir Richtung Stepansminda. Von dort sind es nur noch 13 km bis zur russischen Grenze. Der Kaukasus bietet fantastische Aussichten, die Berge wechseln mit Wolken und Sonne ihre Farben und das alles erzeugt eine ganz spezielle Atmosphäre.

Stepansminda liegt auf 1700 m. Es ist 10°C am Tag und nachts sinken die Temperaturen auf 3°C. Wir schlafen in einem sehr schlichten Hostel, mit aufdringlicher Katze, sicheren Parkplätzen für die Motorräder und Blick auf die Gergetier Dreifaltigkeitskirche oben auf einem Berg. Der Kasbegi, von dem die Georgier behaupten, es sei der schönste Berg der Welt, verhüllt sich leider hinter Wolken und im Nebel.

01.07.2019 Mütterchen Russland wir kommen
Auch am nächsten Tag hält sich der Kasbegi bedeckt. Durch den gleichnamigen Nationalpark fahren wir am nächsten Morgen die 13 km bis zur russischen Grenze. Von der Grenze haben wir gelesen, dass es dort unfreundlich zugehen soll, die Wartezeiten lang.
An einer langen Schlange von LKW fahren wir vorbei, bis zur georgischen Grenze. Die Ausreise aus Georgien dauert nur wenige Minuten.
Am ersten russischen Zollhäuschen werden die Pässe kontrolliert und wir bekommen eine Migrationskarte zum Ausfüllen. Als wir an der Reihe sind, winkt uns der Zöllner beide gleichzeitig zu sich. Die Kontrolle und abstempeln der Migrationskarten ist schnell erledigt.
Danach bekommen wir die Formulare für die zeitbegrenzte Einfuhr der Motorräder. Sie sind in englischer Sprache. Trotzdem nicht ganz einfach, alles zu verstehen. Der Zöllner spricht Englisch er hilft uns, indem er uns ein Mussterformular zeigt. Wir brauchen eine Weile, bis wir alles richtig ausgefüllt und angekreuzt haben und geben dann die Formulare ab, die auf Korrektheit kontrolliert werden. 5 Minuten später hört man die Stempel „knallen“ und wir dürfen die russische Grenze passieren, nachdem noch einmal unsere Pässe kontrolliert werden.
Das hatten wir uns schlimmer vorgestellt.

 

Nach insgesamt 15 Tagen Georgien, sind wir am 01. Juli 2019 in Russland angekommen.

Unser Video über Georgien und Armenien:

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3 thoughts on “Georgien – Armenien

  1. Hallo Ihr beiden,
    was für ein schönes Abenteuer…. Respekt. 🙂
    Ui, jui jui, da musstet Ihr beiden ja ganz schön trinkfest sein….. ich kenne das auch vom Balkan.
    Das ist nicht so leicht, dafür sollte man auch was trainieren, vor Fahrtantritt…. 😉 )))
    Ihr habt auch sehr viele schöne Bilder in dem Reisebericht, mir gefallen sie sehr gut.

    Wie auch schon zuvor, ein schöner Bericht, der sich sehr kurzweilig liest u. der die Abenteuerlust in jedem Tourenfahrer weckt.
    Die Himalayan schlägt sich ja wirklich wacker. Gut ein defektes Lenkkopflager, damit muss man aber fast bei solchen Pisten rechnen.
    Das merke ich mir u. werde bei einer Ferntour das Ding in jedem Fall mitnehmen. 🙂 )))
    Das mit den Befestigungsschrauben des Bremssattel vorne….. nun ja, da hat Anna einen wirklich guten Schutzengel gehabt.
    Schön.

    Passt gut auf Euch auf Ihr beiden,
    Lg Edi

    1. Hallo Edi, vielen Dank für dein Lob. Wir freuen uns sehr, dass du Freude hattest beim Lesen und wir inspirieren konnten. Die Menschen sind halt sehr gastfreundlich und tatsächlich ist es quasi unhöflich, wenn man ablehnt. Die Leber wächst mit ihren Aufgaben… 🙂 . Als Frau darf man selbstverständlich nein sagen. Mit den Pannen ist es ja so, dass oft genau das kaputt geht, was man nicht mitgenommen hat 😀 Aber es gibt immer Lösungen.
      Dir auch noch ganz viel Spass mit deiner REH und allzeit gute Fahrt.
      Schöne Grüsse
      George & Annette

  2. Was für eine Reise! Ich gratuliere euch zu diesem wundervollen Abenteuer.

    Schade, dass das mit dem Iran nicht geklappt hat. Aber das was ihr erleben durftet, sollte eine würdige Entschädigung sein.

    Was bin ich froh, dass das mit der Bremse nochmals gut gegangen ist.

    Schöne Fotos habt ihr mitgebracht!

    Herzlich
    Thomas

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