Griechenland ist unsere zweite Heimat. Seit 1985 reisen wir im Schnitt zwei Mal im Jahr hier her.
Wir kennen fast jede Ecke dieses Landes und, abgesehen von ein paar Inseln, gibt es kaum Gegenden, die wir nicht besucht haben. Trotzdem gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Wenn eine Reise sich nur auf schöne, abwechslungsreiche Landschaften, herrliches Wetter, köstliches Essen und freundliche Menschen beschränkt, dann muss man Griechenland nicht verlassen. Hier gibt es alles. Das mediterrane Meer und Strände, wie in der Karibik, hohe Berge, dichte Wälder, Bären, Wölfe, Wildschweine, alpine Landschaften in ihrer ursprünglichen Form. Sogar eine kleine Sandwüste, die Sahara auf der Insel Limnos, findet man in Griechenland.

Über 4 Monate haben wir an Georges Geburtsort in der Nähe von Arta /Griechenland verbracht. Eine kleine, kuschelige Wohnung im Haus seiner Eltern, ist für den Winter unsere Unterkunft. Hier haben wir früher, wenn wir mit oder ohne Kinder Urlaub machten, kurze Stopps für ein paar Tage eingelegt, aber niemals waren wir beide zusammen über Monate an diesem Ort.

Ein Ort, mitten zwischen Orangenplantagen, abseits vom Dorf.

George hat die Nähe seiner Eltern gesucht. Er hat es genossen, jeden Morgen mit den beiden Kaffee vor dem heissen Kamin zu trinken, zusammen zu arbeiten und sich viel mit ihnen zu unterhalten.

Georges Vater und Mutter sind beide im gleichen Bergdorf, so 50 km von hier entfernt, geboren worden. Ende der 50iger Jahren zogen viele Familien aus den Bergen in die fruchtbare Ebene bei Arta, um Landwirtschaft zu betreiben.
So auch die Familien von Georges Eltern. Es entstanden vor allem riesige Plantagen mit Zitrusfrüchten. George und seine Schwester erblickten hier das Licht der Welt. Sie lebten mit Oma, Opa, Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen in diesem Haus. George beschreibt seine Kindheit als Paradies auf Erden.

Für seine Eltern sah das anders aus. Das Überleben damals war schwerste Knochenarbeit. Für bessere Einkommens-und Lebensverhältnisse, siedelten sie in den 70iger Jahren, zusammen mit den Kindern, ins 300 km entfernte Korinth, in der Nähe von Athen. Aber als sie Rentner wurden, sind sie zurückgekehrt, an den Ort ihrer Wurzeln. Sie leben hier, wie damals, sehr bescheiden, fast als Selbstversorger. Bauen ihr eigenes Gemüse an, halten Hühner, legen keinen Wert auf Luxus. Das alles zusammen strahlt viel Ruhe, Gelassenheit und Gemütlichkeit aus.
Dieses Haus hier hat viel erlebt. Den Beginn von Leben und auch das Ende von Leben. Und alle Gefühle und Ereignisse, die zwischen Glück und tiefster Verzweiflung liegen.

Der Winter ist auch hier windig, kalt und vor allem nass. Am besten macht man dann Feuer im Kamin, kocht sich einen griechischen Bergtee und lässt die Seele baumeln. Dann werden Füsse, Hände, Bauch und auch das Herz warm.

Meine Schwiegermutter ist eine exzellente Köchin und verwöhnt uns jeden Tag mit ihren Kochkünsten und traditionellen griechischen Rezepten. Sie hat mir gezeigt, wie man Filouteig knetet und dünn wie Papier ausrollt und wie die verschiedenen Füllungen hergestellt werden, die dann im Ofen zu den traditionellen Pitas gebacken werden. Eine ist leckerer, als die andere.
Der Vater bringt uns, was die kleine Landwirtschaft im griechischen Winter so her gibt. Marulisalat, Weisskohl, Eier oder auch mal ein ganzes Huhn. Als Geschöpf, dass sein Leben frei laufend unter Orangenbäumen verbrachte, schmeckt es, je nach Alter, zusammen mit Kartoffeln, gebraten im Backofen oder, als altes, zähes Huhn, gekocht in einer Suppe mit Reis und Zitrone, einfach lecker.
Wir revanchieren uns bei den Eltern mit dem, was bei uns üblicherweise auf dem Speiseplan steht. Töpfe und Teller mit köstlichen Speisen und Gebäck, wandern also täglich von hüben nach drüben.

Von den Orangenbäumen hinterm Haus pflücken wir täglich Vitaminbomben und geniessen frisch gepressten Saft. Und so ohne Stress und wenig Bewegung, dafür mit zu viel Kalorien, sind wir ein bisschen runder geworden, an Leib und im übertragenen Sinne auch in der Seele. Die Ruhe und Abgeschiedenheit, die sich besonders im Winter über diese Landschaft senken, fühlen sich an, wie ein Kokon, eine warme Hülle, in der man vom Trubel der Welt nicht viel mitbekommt.

Der Frühling nähert sich und mit den ersten warmen Tagen, hat George mit seinem Vater zusammen, ein paar Bäume gefällt, zersägt, gespalten und hinter dem Haus gestapelt. Da kann das Holz trocknen und im nächsten Winter für Wärme im Haus sorgen.

Ab Ende Februar fängt die Natur überall an zu spriessen und Georges Mutter hat mit ihrem „grünen Daumen“ ein wahres Blumenparadies um das Haus herum erschaffen, welches nach und nach aus dem Winterschlaf erwacht.

In diesen 4 Monaten sind wir ein bisschen herum gereist. In Epirus, hoch ins Pindosgebirge, nach Pades, zu Elias und seiner Partnerin Angeliki. Sie haben dort einen Überwinterungsplatz gefunden. Dort ist richtig Winter, mit Schnee und Frost. Pades hat im Winter 15 bis 20 Einwohner, und im Sommer ein paar mehr. Es wohnen einige junge Leute im Dorf, die sich bewusst aus der Hektik der Städte dort hin zurück gezogen haben. Ausser einem schönen Hostel, gibt es noch ein Restaurant. Anassa ton Onda. Dort treffen sich öfter die jungen Dorfbewohner, um gemeinsam zu essen und Spass zu haben. Der Wirt heizt den Ofen ein und schenkt pausenlos Tzipro, ein Schnaps aus Weintrauben, in die Gläser nach. Dann dreht er die Musik immer ein bisschen lauter, bis die ersten beginnen, griechisch zu tanzen und sich andere anschliessen. Wir haben so einen Abend miterlebt und werden ihn nicht so schnell vergessen.

Wir haben Saharohoria bereist und Tetrakomo.

Haben den Peleponnes umrundet und in Athen unter anderem die Royal Enfield Vertretung, Motostuff, besucht, wo die Himalayan die 10.000 km Inspektion bekam.

In Arta haben wir genug Zeit die Motorräder für die weitere Reise vorzubereiten und gewisse “Kinderkrankheiten“ der Enfield in der Werkstatt, Motomad in Arta, beseitigen zu lassen.

Oft fahren wir zwischendurch spontan für einen Kaffee oder Spaziergang ans Meer, welches keine 20 km entfernt ist. Die Motorräder brauchen ja auch ab und zu Bewegung und wir den Blick auf das Meer. Hier gibt es eine wunderschönes Naturschutzgebiet. Ein Süsswassersee ist vom Meer nur durch einen Damm, auf dem eine Strasse verläuft, getrennt. Über diesen Damm erreicht man eine nette kleine Insel. 120 Vogelarten leben dort. Flamingos, Pelikane und sogar Falken kann man dort, mit ein bisschen Geduld, beobachten und mit Glück, bekommt man sie auch vor die Linse.

Und danach an der alten Brücke in Arta, in unserem Lieblingskaffee, einen Kaffee trinken, mit befreundeten Leuten reden…das ist sehr entspannend.

Auch wenn wir diese Monate hier sehr genossen haben, drängt es uns, jetzt, wo der Frühling sich ankündigt, weiter zu fahren.

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